Die Jägerin 01/25
Quelle: Die Jägerin Aufgabe 01/25
Bericht aus der Jägerin 01/25
Sie ist die einzige Kürschnermeisterin der Schweiz
Anja Marquardt beherrscht eine alte, traditionelle Handwerkskunst: Kürschnern. Sie hat sich auf die Verarbeitung von Wildfellen spezialisiert und kann sich nicht über zu wenig Aufträge beklagen.
«In der Schweiz werden im Jahr rund 22`000 Rotfüchse geschossen, davon werden nur 6`000 verarbeitet», erzählt die in Deutschland aufgewachsene Kürschnermeisterin. Diese Tatsache bedauert sie sehr. Denn ein Kleidungsstück aus Pelz gehört zu den Langlebigsten und Nachhaltigsten.
Enge Zusammenarbeit mit Jägern
«Die Jagd ist das Handwerk des Jägers, das Kürschnern ist meins», sagt die Handwerkskünstlerin, die heute in Meggen am schönen Vierwaldstättersee in der Schweiz wohnt und arbeitet. Die Jagd könne man als Philosophie bezeichnen, die den respektvollen Umgang mit der Natur betone. In jedem Pelz stecke eine Geschichte eines Tieres, das in seiner natürlichen Umgebung gelebt habe. «Meine Berufung ist es, aus diesen Fellen etwas für die Ewigkeit herzustellen ». Anja Marquardt betont, dass ihr eine sorgfältige Auswahl der Felle sehr wichtig sei. «Im Gespräch mit den Jägern möchte ich sicherstellen, dass die Felle von gesunden Tieren stammen und sie waidgerecht gejagt wurden». Aus den gegerbten Naturfellen fertigt Anja Marquardt massgeschneiderte Bekleidungsstücke wie Jacken und Mäntel, Accessoires und Wohntextilien. So kann aus geschorenen Rotfuchsfellen ein Innenfutter in einem Lodenparka entstehen, der auf der Jagd schön warmhält. Für sie ist es auch wichtig, das Tier wertzuschätzen, in dem sie alle Teile des Fells verarbeitet. Sogar ein Ring aus Rotfuchspfoten mit einem Swarovski Stein befindet sich unter ihren kunstvollen Anfertigungen.
Vom Rohfell zum fertigen Produkt
Früher ist der Kürschnerberuf weit verbreitet gewesen. Mit den ersten Pelzkampagnen Ende der 80-er Jahre gab es immer weniger Kürschner. Anja Marquardt bezieht ihre Felle von Jägern aus der Schweiz und Deutschland. «Durch die Verarbeitung von Wildfellen, ehre ich nicht nur das Tier, sondern die ganze Jagdkultur». Hat ein Jäger ein Tier erlegt, kommt Anja Marquardts Handwerkskunst zum Zuge: «Ein Wildfell ist etwas faszinierendes», sagt sie und fügt weiter an: «Ich möchte die Schönheit dieses Naturproduktes mit meinem Handwerk veredeln und für die Jäger ein Andenken anfertigen». Anja Marquardt hat einen grossen Kundenstamm: Nebst der Jägerschaft sind es unter anderem Ferienhausbesitzer in St. Moritz oder Gstaad. Früher sei Kürschner ein reiner Männerberuf gewesen. Männer bezeichnete man als Kürschner, Frauen als Pelznäherin.
Wertschätzung der Jagd
Die Jagd ist so alt wie die Menschheit selbst. Für die Menschen der Steinzeit war die Jagd überlebenswichtig. Seitdem hat sich viel verändert. Die konventionelle Jagd dient heute als nachhaltige Hege und Pflege des Waldes. Seit über tausenden von Jahren werden Pelzprodukte aufgrund ihrer Haltbarkeit, Wärme und Noblesse geschätzt. Das hochwertige Naturmaterial ist biologisch abbaubar. «Bei der Verarbeitung der Felle setze ich auf umweltfreundliche Methoden, sie sollen die Eigenschaft des Felles bewahren und die Umwelt schonen», sagt Anja Marquardt. Durch das Gerben wird das Fell konserviert und die unverwechselbare Haptik machen aus jedem Stück ein Unikat. Zudem können die Felle auch gefärbt, bedruckt und geschoren werden, so erhalten sie eine neue Optik. Jedes fertige Produkt soll nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch
ansprechen.
Fuchfellmärkte in der Schweiz
In der Schweiz gibt es noch die Tradition der Fuchsfellmärke im Frühjahr. An diesen Anlässen trifft sich die Jägerschaft, um zu Fachsimpeln und um ihre rohen Wildfelle zu verkaufen. Zudem gibt es immer einen Jägermarkt und Anja Marquardt präsentiert dort ihre aktuelle Wildfellkolletion für den nächsten Winter. Gerade kämmt sie ein Rotfuchsfell auf ihrem grossen Arbeitstisch im Atelier, während sie erzählt: «Ich war schon als kleines Mädchen um Felle herum, mein Vater hat Hasen gezüchtet». Sie bearbeitet jedes Fell mit einer grossen Achtsamkeit und freut sich über die neue Mütze, die daraus entstehen wird, sie ist für eine Jägerin, aus ihrem ersten erlegtem Rotfuchs.
pelzatelier.ch
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