Die Jägerin 03/25
Quelle: Die Jägerin Aufgabe 03/25
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Bericht aus Die Jägerin 03/25
Was tun mit einem geerbten Pelzmantel?
Haben Sie einen alten Pelzmantel von Ihrer Grossmutter geerbt oder befindet sich in Ihrer Garderobe seit Jahren eine ungetragene Pelzjacke? Vielleicht möchten Sie das wertvolle Kleidungsstück wieder tragen oder es passt nicht mehr zu Ihnen und Ihrem Stil? Die in Deutschland aufgewachsene Kürschnermeisterin Anja Marquardt lebt und arbeitet in der Schweiz und gibt wertvolle Tipps, was man mit dem Erbstück anfangen kann. Dazu hat sie unzählige, kreative Ideen:
«Es kommt oft vor, dass der geerbte Pelz meiner Kundinnen oder Kunden nicht zu ihrem jetzigen Kleidungsstil passt. Da sind dann meine Ideen und Beratung gefragt», erzählt die einzige Kürschnermeisterin der Schweiz Anja Marquardt. Da gäbe es unzählige Möglichkeiten. «Wenn ein Pelz gut erhalten ist und nicht älter als vierzig Jahre, lässt er sich gut umarbeiten». Sofern er sorgfältig gepflegt wurde. Das heisst im Sommer an einem kühlen und trockenen Ort gelagert und regelmässig gereinigt wurde.
In einem ersten ausführlichen Beratungsgespräch in Anja Marquardts Atelier in Meggen am Vierwaldstättersee wird das neue Modell geplant, dafür sind die genauen Masse wichtig. Die Handwerkskünstlerin zeichnet den Schnitt nach den gemessenen Massen und näht eine Moulure: ein Musterteil aus Stoff.
Bei einem weiteren Termin probiert die Kundin oder der Kunde die Moulure an. Anja Marquardt überprüft den Sitz des Modells und kann bei Bedarf noch Änderungen vornehmen. Sie trennt den Pelz auf und zerlegt ihn in Einzelteile: Ärmel, Kragen, Vorder- und Rückenteil. Danach ordnet sie den Pelz neu.
Es folgt der dritte Termin. Der Pelz ist schon fast fertig. Bei der Anprobe positioniert Anja Marquardt die Verschlüsse und steckt die Taschenhöhe ab. «Zusammen suchen wir den Futter-oder Oberstoff aus. Sie nimmt die letzten Änderungen vor und näht Taschen, Verschlüsse und Futter ein.
Beim vierten und letzten Termin ist die Arbeit vollendet. Die Herstellungsphase vom ersten Beratungsgespräch bis zum fertigen Pelz dauert rund vier Monate. Wenn Anja Marquardt den Pelz noch rupfen und/oder färbt, dauert es bis zu einem halben Jahr.
«Ist jemand mit der Farbe des Pelzes nicht glücklich, gibt es die Möglichkeit ihn umzufärben», erklärt Anja Marquardt. Einige Pelze vergilben über die Jahre oder vertragen das Sonnenlicht nicht. Möge jemand lieber blau, mache man aus einer beigen Pelzjacke eben eine blaue. «Jeder Pelz kann in einen dunkleren Ton eingefärbt werden. Möchte jemand seinen dunklen Nerz heller haben, gäbe es die Möglichkeit ihn zuerst zu bleichen und dann zu färben». Doch das sei nicht ratsam, da das Leder zerfalle und die Haare ausgehen. Deshalb sei es wichtig, das Leder immer zuerst zu testen. «Wenn ich den Pelz schere oder rupfe, entsteht eine völlig neue Haptik von Pelz.»
Möchte jemand den geerbten, langen und schweren Rotfuchsmantel nicht unbedingt zeigen, besteht die Möglichkeit damit einen sportlichen Parka mit Innenfutter zu zaubern: «Ich fertige ein geschorenes Innenfutter für einen wasserabweisenden Parka». Zu schwere Pelze gäbe es nicht mehr, erzählt Anja Marquardt. Heute gäbe es neuere Gerbprozesse und die Einlagestoffe seien viel leichter geworden.
Den Pelz nicht mehr am Körper tragen, sondern als wohliges Kissen in der warmen Stube oder im Chalet auf dem Sofa? Anja Marquardt fertigt nebst originellen Accessoires aus Pelzen auch wunderschöne Wohnschmuckstücke wie Pelzdecken oder Fellkissen. «Ein Mantel reicht für vier bis fünf Kissen». Aber auch Handtaschen, Pulswärmer, Schlüsselanhänger, Mützenbommel, Stirnbänder, Fellhandschuhe und Einlegesohlen stammen aus Anja Marquardts Pelzatelier in Meggen. «Die Ideen gehen nie aus», sagt sie lachend. Jedes Teil ist ein Unikat.
Alte Pelze zu verkaufen, davon rät Anja Marquardt ab. «In der Schweiz gibt es keine seriösen Händler, die noch getragene Pelze ankaufen». Eher rät sie die Pelze über eine Online-Plattform zu verkaufen oder sie in ein Secondhand-Geschäft zu bringen. Wohltätigkeitsorganisationen und Theater seien auch immer dankbare Abnehmer. Doch ein Andenken zu haben an ein Erbstück sei doch etwas Schönes, sagt sie zum Abschluss.
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